Was ist Astrologie? - eine Definition

von Brigitte Hamann

Eine Beschreibung der Welt der Formen

Astrologie beschreibt die Welt der Formen, die der materielle Ausdruck des immateriellen, universellen Geistes sind. Wir nennen diesen universellen Geist auch »Alles-was-ist» und das »All-Eine«.  Quantenphysiker bezeichnen diese materielle Welt oft auch als »geronnenen Geist«, der durch Überlagerung von Wellenfunktionen konkrete Realität gewinnt (siehe z. B. Shimon Malin: Dr. Bertelmanns Socken oder wie die Quantenphysik unser Weltbild verändert).

Symbolsprache Astrologie

Astrologie ist eine Abbildung der konkreten Welt der Formen – der »Welt der 10000 Dinge«  wie sie im Buddhismus genannt wird - in Form von Symbolen.  Als Symbolsprache  erhebt die Astrologie nicht den Anspruch, die letztendliche Wirklichkeit abzubilden. Diese können wir nur erfahren, erleben, erfühlen. Jeder Versuch der Beschreibung kann sich immer nur annähern, zum einen, weil unser Wortschatz viel zu begrenzt und zu unterscheidend ist. Zum anderen weil eine Beschreibung nie die Erfahrung selbst ist. Das lässt sich vergleichen mit der Beschreibung, wie ein Apfel schmeckt, und wie es sich anfühlt, wenn man wirklich in einen Apfel beißt. Dank der Astrologie können wir uns dieser letztendlichen Wirklichkeit annähern. Dazu brauchen wir nur dem Lauf der Tierkreiszeichen und der Häuser zu folgen.

Perfekte Beschreibung der Rahmenbedingungen einer konkreten Existenz

Was Astrologie jedoch in geradezu perfekter Weise leisten kann, ist die Beschreibung der Rahmenbedingungen einer in die Welt der Materie eingetretenen Existenz - zum Beispiel Geburt und Leben eines Menschen. Die konkrete, materielle Welt bringt immer einen Rahmen und damit Grenzen mit sich, aber auch einen Gestaltungsraum. In der konkreten, materiellen Welt haben wir einen Körper, der eine Form angenommen hat, Gefühle, Gedanken, Handlungsweisen - alles wird durch bestimmte, für den jeweiligen Menschen gültige, Formen bestimmt. Innerhalb dieses Rahmens können wir gestalten, und unsere Gestaltungsmöglichkeiten sind weitaus größer als wir glauben. Die Symbolsprache Astrologie bildet den konkreten Rahmen ab und zeigt die Gestaltungsvielfalt in Form von Symbolen. Das Wort leitet sich ab vom griechischen »symballein« - zusammenfallen, zusammenwerfen, Getrenntes zusammenfügen. In einem Symbol sind unterschiedlichste Dinge zusammengefügt und so ist es mit den astrologischen Symbolen: Sie beschreiben den Lebensrahmen, von der gefühlt besten bis zur schlechtesten Verwirklichung , und die Umwelterlebnisse, die sich daraus ergeben.

Wovon hängt ab, wie gut wir unsere Gestaltungsmöglichkeiten nutzen? Ausgangspunkt ist das IC und im Weiteren die gesamte IC/MC-Achse und die damit verbundenen Häuser 4 und 10.

Astrologie - die Sprache von Raum und Zeit

Das Horoskop wird berechnet durch Raum (den Geburtsort) und Zeit (Datum und Uhrzeit). Beides sind die Koordinaten, innerhalb derer wir uns bewegen solange wir leben.

Albert Einsteins Raumzeit

Durch Materie entstehen Raum und Zeit, die Raumzeit Albert Einsteins. Wenn die Materie verschwindet, verschwinden auch Raum und Zeit. In »Einstein – Eine Biografie« findet sich dazu folgendes Zitat: »Früher hat man geglaubt, wenn alle materiellen Dinge aus dem Weltall verschwinden, so blieben nur noch Raum und Zeit übrig; nach der Relativitätstheorie aber verschwinden Zeit und Raum mit den Dingen«.

Raum und Zeit sind die Grunddeterminanten der materiellen Existenz. Ob sie in höheren Sinn Illusion sind oder nicht, ist zunächst für den Menschen, der mit seiner Geburt in seine eigenständige, materielle Existenz und damit in die Raumzeit eintritt, unerheblich, denn in ihr lebt er. Auch erleuchtete Meister, die das dahinter Wirkende der reinen Wahrnehmung ohne Vorstellung erfahren haben, leben in der Raumzeit, solange sie in ihrem Körper existieren. Durch ihre Erfahrung sind sie jedoch in der Lage, die Raumzeit anders zu gestalten als ein Mensch ohne diese Erfahrung.

Leben in der Raumzeit

Der astrologische Ausdruck des Zeit- und Raumlosen sind Neptun und das 12. Haus. Sie schenken einen Blick auf die letztendliche Wirklichkeit, in der sich materielle Formen und Grenzen auflösen wie Wellen im Meer. Das Horoskop bildet unser Menschsein und den damit verbundenen Lebenslauf ab - um im Bild zu bleiben, die Welle, die wir im großen Meer für eine bestimmte Zeit bilden, um uns dann wieder im Meer auflösen.

Menschsein mit fünf Sinnen und der Möglichkeit zu fühlen und zu handeln schenkt uns einen Gestaltungsraum, in dem wir gestalten, Wirkungen erzielen, leben, erfahren, unterscheiden, entscheiden können. Das ist nur in der Raumzeit möglich, mit einem Körper, der seine Sinneswahrnehmungen in Bezug auf das als materiell und getrennt Erlebte strukturiert und darauf ein Leben aufbaut.

Das Horoskop bildet die individuelle Raumzeiterfahrung eines Menschen ab, seine persönliche Weise, in der Welt der Materie zu leben, sich in ihr zu bewegen und auszudrücken.

Die menschliche Existenz ebenso wie alles andere, was existiert, ist die Manifestation des Gestaltlosen in einer bestimmten Form. Wenn das Horoskop in der Lage ist, diesen Rahmen zu beschreiben, ist es ein Bild für den Selbstausdruck des Universums in verschiedenen Formen. Damit ist es die Schnittstelle zum Numinosen, denn es zeigt den manifestierten Geist.

Das Hauptachsenkreuz

Das Horoskop wird bestimmt durch Raum (die AC/DC-Achse) und Zeit (die IC/MC-Achse)

Das Hauptachsenkreuz beschreibt die persönliche Raumzeit dessen, wofür das Horoskop errechnet wurde, zum Beispiel ein Mensch. In Augenblicken des Erwachens verschwindet die Materie für eine bestimmte Zeit aus unserem Bewusstsein und damit auch Raum und Zeit. Wir sind »All-Eins«. In unserem Normalbewußtsein tauchen sie wieder auf und lassen die Welt entstehen, in der wir leben, wirken (»Wirk-lich-keit«), und uns ausdrücken können -  motiviert von dem, was der universelle Geist ausdrücken wollte, als er unsere Manifestation realisierte.

Allem wohnt ein Lebenstrieb inne

Weniger spirituell und im Sinne der Quantenphysik ausgedrückt, motivieren uns die Form und Richtung, die durch die Überlagerung von Möglichkeitswellen entstanden sind, und die jeder Materie innewohnen. Auch in einem Baum, einer Pflanze, einem Tier gibt es einen ursprünglichen Antrieb,  zu wachsen und sich in einer bestimmten Form zu entfalten. Und alles, was der Mensch erschafft, baut und verwirklicht, ist Ausdruck seines inneren Antriebes. Fundamental wichtig ist es daher, die wahren Motive kennenzulernen, die meist von vielen erlernten oder durch Erfahrungen entstandenen Antrieben überlagert werden.

Ein Schachspiel

Unser Gestaltungssaum ist sehr groß. Als Bild können wir uns vorstellen, jedes Leben sei ein eigenes Spiel, der eine spielt Schach, der andere Fußball, der dritte Tennis. Obwohl jedes Spiel seine eigenen Grunddeterminanten hat – es gibt ein Spielfeld und Akteure sowie Spielregeln – sind keine zwei Spiele gleich. Man denke nur an die dicken Bände mit Schachpartien, und kein Spiel wird mit einem vorherigen identisch sein. Es wird lediglich ähnliche Muster aufweisen.

Hier finden Vartan Gregorians Worte ihren Platz: »Das Universum wird in seiner gesamten Geschichte niemanden mehr erleben, der so ist wie Sie«.

Lassen Sie uns das Geschenk der Astrologie nutzen, unsere Gedanken und Gefühle zu klären und zu einer möglichst reinen Form unserer selbst zu finden.