Nachruf für Michael Roscher von Brigitte Hamann und Christopher A. Weidner
Michael Roscher (7.7.1960-6.8.2005) - wie nur wenige Astrologen hat er die zeitgenössische Astrologie nachhaltig geprägt. Mit dem Kybernetischen Modell führte er den vielleicht ersten wirklich systemischen Deutungsansatz in die Astrologie ein, indem er alle Planeten in brillanter Weise in Regelkreisen miteinander verband. Mit der Entdeckung der Kritischen Grade schloss er an die alte Tradition der Gradbedeutungen an - doch mit der einzigartigen und unverblümten Prägnanz seiner Deutungen übertraf er sie zugleich. Überdies hinterlässt er ein unerschöpfliches und vielseitiges astrologisches Instrumentarium: technisch einfache Methoden der Geburtszeitkorrektur, ausgefeilte Techniken wie die Transitdirektionen und die Resonanzhoroskope und vieles mehr.
Schon in den 1980er und 90er Jahren setzte er Maßstäbe für eine astrologische Arbeit, bei der Logik, Folgerichtigkeit und die Ableitbarkeit von Aussagen Grundvoraussetzung waren: "Astrologie zu betreiben heißt ja nicht automatisch irrational zu sein". Er suchte nach schlüssigen Zusammenhängen, forschte und hinterfragte scheinbar Plausibles und entwickelte eine an das Häusersystem gebundene Interpretationsform, die sich ausschließlich mit den individuellsten und daher aussagekräftigsten Konstellationen befasste.
Für ihn war Astrologie eine echte Wissenschaft, die man auch so behandeln musste: mit großer Leidenschaft, aber auch mit Akribie, logischer Stringenz und immer wieder mit Distanz zum Gegenstand. Wichtiger als das, was die astrologische Tradition übermittelte, war ihm die Anschauung des Himmels und was sich aus ihr ableiten ließ. So schätze er fundierte astronomische Kenntnisse sehr und vermisste sie häufig bei seinen Kollegen und Kolleginnen. Doch nicht nur Logik, auch Originalität, Intuition und eine besondere Form von Humor zeichneten ihn aus. Diese Eigenschaften und sein Bemühen, eine plausible und damit didaktisch vermittelbare Astrologie in den Vordergrund zu stellen, schufen das Charisma seiner Arbeit, dem man sich nur schwer entziehen konnte, wenn man sich einmal auf seine Denkweise eingelassen hatte: Astrologie war keine Zauberei mehr, das Horoskop wurde zu einem Instrument des Verstandes, um Zugang zur Psyche des Menschen zu finden.
Michael Roscher gehört zu den innovativsten Geistern seiner Zunft. Von seinen Kritikern verlangte er nicht mehr als von sich selbst: gründliche Kenntnis der Materie und eine konsequente Argumentation. Wer bereit war, ihm so zu begegnen, konnte mit seiner vollen Aufmerksamkeit rechnen und erlebte ihn als präzisen und klaren Denker, der sich mit beeindruckender Leichtigkeit im Transferdenken bewegte. Schon mit zwölf Jahren nahm er sein erstes Astrologiebuch in die Hand. Während seines Psychologiestudiums betrieb er fast fünf Jahre lang eine Studie zu den Mondkonstellationen, deren Fazit er in seinem ersten Buch "Der Mond" veröffentlichte. 1986 gründete er die Schule für Transpersonale Astrologie, an der seine Methoden unterrichtet wurden. Er war Musiker, komponierte und malte in seinem eigenen Stil. Obwohl viele seiner Schüler ihn zum Guru erheben wollten, ließ er sich niemals auf diese Rolle ein. Die Einstellung, mit der er ihnen und sich selbst gegenüber trat, kann am besten mit dem folgenden Zitat aus dem Zen beschrieben werden:
»Folge nicht den Spuren der Meister. Suche was sie gesucht haben«.
Was Michael Roscher suchte waren Sinn und Bestimmung und mehr als alles andere wollte er die Grenzen des menschlichen Daseins ausloten und sprengen. Er nannte seine Methode »Transpersonale Astrologie« um deutlich zu machen, dass es ihm um eine Entwicklung des Menschen ging, welche die Grenzen unseres gewohnten Persönlichkeitsmusters überwindet.
In Trauer
Brigitte Hamann und Christopher A. Weidner
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