"Jeder soll die Verantwortung für sein Handeln übernehmen"

Interview mit Brigitte Hamann von Armando Bertozzi, Astrologie Heute

Brigitte Hamann wurde auf ihren Reisen durch Europa, Amerika und den asiatischen Raum zu einer intensiven Beschäftigung mit den Mythen der Völker und östlicher Philosophie veranlasst. Später ließ sie sich in Transaktionsanalyse und körperorientierten Therapieverfahren ausbilden. 1982 kam die Astrologie dazu. Seit 1987 arbeitet sie hauptberuflich als beratende Astrologin und ist Dozentin an der "Schule für Transpersonale Astrologie", die sie zusammen mit Michael Roscher leitete (bis 2001).

Lebensmuster

Brigitte Hamann, Sie haben ein Buch mit dem Titel "Lebensmuster - Elternbilder im Horoskop" [1] verfasst. Warum haben Sie dieses Buch geschrieben?

Brigitte Hamann: Dieses Buch habe ich geschrieben, weil es mich zutiefst interessiert, weshalb Menschen sind, wie sie sind, weshalb sie die Dinge auf diese und nicht auf eine andere Weise tun. Das größte Problem war, dass man in einem solchen Buch nicht alle Varianten des Fühlens und Handelns abdecken kann. So konnte ich beispielsweise nicht alle Aspekte zum Herrscher des vierten Hauses beschreiben, weil das Buch sonst zu umfangreich geworden wäre.

Könnten Sie kurz erläutern, was Sie unter "Lebensmuster" verstehen?

Lebensmuster zeigen den roten Faden, der sich durch unser Leben zieht. Sie entstehen, während wir mit bestimmten Situationen und Menschen konfrontiert werden, mit denen wir prägende Erfahrungen machen. Das sind in erster Linie unsere Eltern oder Elternfiguren, da sie am Beginn unseres Lebens stehen. Jeder von uns lernt, mit solchen Erfahrungen umzugehen, er entscheidet sich, was er mit ihnen macht, welche Rückschlüsse er daraus zieht und was diese für sein weiteres Leben bedeuten. Sie würden sich wahrscheinlich ganz anders entscheiden als ich, obwohl wir beide vielleicht die gleiche Erfahrung gemacht haben, da wir mit unterschiedlichen Anlagen auf die Welt gekommen sind, auf die diese Erfahrungen treffen. Aus der Entscheidung, wie wir mit den Erfahrungen umgehen, bilden wir ein Muster, eine Art Lebensdrehbuch, nach dessen Regeln unser Leben verläuft. Dieses Muster neigt dazu, sich zu verselbständigen, was eine gewisse Lebenserleichterung bedeutet, weil wir hiermit schon eine vorgeprägte Reaktionsweise besitzen, durch die wir wissen, wann wir wie handeln müssen, damit wir mit gewissen Situationen zurechtkommen. Insofern sind Lebensmuster in mancher Hinsicht gut und erleichternd, sie haben jedoch auch ihre Kehrseiten, weil sie uns aus dem Unbewussten heraus steuern. Deshalb ist es wichtig, dass wir unser Muster erkennen und von Zeit zu Zeit hinterfragen.

Weil sie sich überholt haben?

Ja. Im Erwachsenenalter können wir noch Muster aus der Kindheit haben, die sich damals bewährt haben, nun aber nicht mehr bewähren. Das ist der Grund, weshalb ich bei einer Horoskopinterpretation auch die Elternthemen einbeziehe, weil sich in ihnen unsere Lebensmuster spiegeln.

Eltern und subjektive Erfahrung

Also sind die "bösen" Eltern schuld?

Nicht unbedingt. Das habe ich auch in meinem Buch versucht darzustellen, dass es nicht darum geht, zu sagen: Ich bin ein ganz armes Wesen, weil meine bösen Eltern dies oder jenes mit mir gemacht haben. Unsere Eltern haben ihre eigenen Themen und ihre eigenen Muster und sie können nicht anders mit uns umgehen als es ihre Anlagen und ihr Entwicklungsstand zulassen. Es geht vielmehr darum, wie wir unsere Eltern erfahren haben und was das in uns ausgelöst hat.

Was ja etwas ganz anderes sein kann ...

Ich glaube, die meisten Eltern versuchen wirklich, das zu tun, wovon sie überzeugt sind, dass es das Beste für ihr Kind ist. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber wir alle können ein Kind nicht besser erziehen, als wir im Moment gerade mit unserem eigenen Leben zurechtkommen. Wenn wir einem Menschen dabei helfen wollen, sein Lebensmuster zu verstehen, dann können wir ihm beispielsweise sagen: "Du hast aufgrund der Erfahrungen, die du mit deiner Mutter gemacht hast, den Eindruck entwickelt, man beachte dich nicht." - Ob es nun aber tatsächlich so war, dass die Mutter, vielleicht aus Überlastung, dem Kind nicht genügend Aufmerksamkeit schenken konnte, ist in erster Instanz nicht wichtig.

Weil nur die subjektive Erfahrung des Kindes zählt?

Genau: Es zählt die subjektive Erfahrung. Und die muss zuerst heraus gearbeitet werden, weil sie am Ursprung des Lebensmuster steht. Wir wiederholen wichtige Erfahrungen immer wieder. Unser Filter, der das, was wir erleben interpretiert, ordnet neue Erfahrungen unter dem alten Muster an, so dass wir in unserem Erleben dasselbe mit Partnern und in Situationen wieder und wieder erfahren. Um uns und unsere Muster zu verstehen fragen wir nach zentralen Erinnerungen. Dabei geht es in keinster Weise um Schuldzuweisungen. Erst in zweiter Instanz ist es interessant, warum die Mutter so gehandelt hat, wie sie es getan hat. Wenn wir zuerst nach dem "warum" fragen, entsteht eine Blockade, zuzugeben, dass wir als Kind traurig, wütend oder frustriert waren, weil wir immer zuerst das Verhalten der Eltern erklären.

Und man dann das Gefühl verneint, das man als Kind hatte?

Ja, genau.

Veränderung von Lebensmustern

Lassen sich Lebensmuster denn verändern?

Sicher! - Obwohl natürlich gewisse Grundthemen immer da sein werden, mit denen wir ein Leben lang zu tun haben, da sie unsere Lebensaufgabe darstellen.

Wie verändert man Lebensmuster?

Wir verändern uns, indem wir mehr Bewusstsein entwickeln, Bewusstsein dafür, wie die Dinge unseres Lebens ineinander greifen. Durch dieses Bewusstsein entstehen neue Sichtweisen und Alternativen.

Aber reicht das? Ich meine, ein Zugang zu den Lebensmustern muss doch auf einer emotionalen Ebene gefunden werden, weil eine rein intellektuelle Auseinandersetzung, auch wenn sie astrologisch gebaut ist, nicht genügen dürfte.

Das ist sicherlich richtig. Doch eine gute astrologische Beratung geht über die intellektuelle Ebene weit hinaus. Sie kann ein grundsätzliches Aha-Erlebnis in einem Menschen auslösen, das tiefgreifende Veränderungen zur Folge hat. Die Menschen gehen nach Hause, lehnen das Gehörte vielleicht zunächst ab, aber es arbeitet in ihnen und sie fangen an, nachzudenken. Es entstehen Öffnungsprozesse, die weiter wirken.

Selbstverantwortung

Am Schluss Ihres Buches zitieren Sie Aleister Crowley: "Tue, was du willst, dies sei das ganze Gesetz." Wieso?

Ich habe mir lange überlegt, ob ich diesen Satz verwenden soll, weil Crowley eine sehr kontroverse Figur ist und ich selbst keine Crowley-Anhängerin bin. Aber ich finde diesen Satz sehr schön. Der Grundgedanke Crowleys besteht darin, dass jeder Mensch ein Stern ist: Jeder hat eine eigene Dynamik, hat ein Potential, das er entwickeln muss.

Jeder soll tun und lassen, was er will?

Nein, ich verstehe diesen Satz nicht so, dass nun jeder seine Ellbogen einsetzen soll, um die anderen zur Seite zu schubsen, sondern dass jeder die Verantwortung für sein Handeln übernehmen soll. Mag unser Handeln manchmal auch negativ sein, wichtig ist, dass wir dafür die Verantwortung übernehmen. Deswegen habe ich diesen Satz zitiert.

Verantwortung übernehmen gibt einem auch ein Stück Freiheit. - Verantwortung kann aber ebenso eine Bürde sein.

Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an ein Gedicht von Nietzsche, in dem er klagt, dass er nicht an Gott glauben kann. Dadurch ist er einsam und ganz auf sich gestellt. Es wäre einfacher, an Gott glauben zu können und eingebettet zu sein in ein System. Die Freiheit hat als Begleiter die Einsamkeit.

Auch die Astrologie ist ein System, in das sich mancher gerne bettet, wo er also die Verantwortung abschieben kann. - Wie sehen Sie die religiöse Frage in bezug auf die Astrologie?

Ich erlebe es häufig, dass Menschen sagen: "Ich bin religiös, also kann ich die Astrologie nicht akzeptieren." Ich versuche dann deutlich zu machen, dass ich keinen Widerspruch zwischen Religion und Astrologie sehen kann.

Determinismus

Es geht mir um etwas anderes: Um die Frage der Determiniertheit: Sind astrologische Konstellationen determinierend, also bestimmend? - Viele Astrologen behaupten zwar, nicht an solche Einflüsse zu glauben, die Art aber, wie sie dann über zukünftige Transite reden, widerspricht dem. Das hat etwas Religiöses und ist dann das Gegenteil von "Tue, was du willst …", weil damit die Verantwortung abgegeben wird.

Ich bin keine Anhängerin der Theorie, dass wir in diesem Sinne determiniert sind. Das kann ich gar nicht sein, weil ich dann das Horoskop statisch deuten müsste. Wir müssten dann nur noch die Hände in den Schoss legen und darauf warten, dass die nächste Auslösung kommt und all das, was unabänderlich ohnehin vorgesehen ist.

Hat nicht jede astrologische Interpretation etwas Festlegendes?

Jede Auslösung kann verschiedene Entsprechungen haben, und wir können nur vermuten, welche die wahrscheinlichste ist. Das gilt auch für die Konstellationen im Radix. Etwas anderes ist die Überlegung, ob es gewisse "Eckpunkte" in unserem Leben gibt, die z. B. karmisch determiniert sind. Wie diese Eckpunkte von uns erlebt werden und wie wir durch sie hindurchgehen kann jedoch nicht festgelegt sein.

Was den Glauben an ein Karma voraussetzt. Wie gehen Sie beispielsweise mit einem Klienten um, der nicht an Karma glaubt?

Ich mache in einer Beratung keine Aussagen, die sich auf Karma beziehen, weil ich finde, dass es jedem Menschen überlassen sein soll, was er vom Karma-Gedanken hält. Ich mag nicht jemandem sagen: "Sie haben da eine karmische Belastung durch ihre Mutter", weil ich das nicht beweisen kann und es für den anderen vielleicht auch nicht akzeptabel ist. Persönlich denke ich, dass die Karmavorstellung unserem Denken sehr nahe liegt und sie deshalb ein praktikables Erklärungsmodell darstellt.

Wobei vom Karma-Gedanken aus doch eine gewisse Determiniertheit besteht?

Ich glaube schon, dass es immer Wahlmöglichkeiten gibt. Auch bei karmischen Ereignissen können wir durch eigene Entwicklung und Entscheidung diese Ereignisse anders gestalten, als wir es früher konnten.

Meinen Sie damit, dass ein Mensch desto weniger determiniert ist, je größer sein Bewusstsein ist?

Ja, so kann man es vielleicht zusammenfassen. Je bewusster wir sind, desto mehr bemühen wir uns, das Richtige zu machen. Das heißt aber nicht, dass es uns dann auch gelingt. Aber je bewusster wir uns bei unseren emotionalen Reaktionen und Handlungen zuschauen, desto größer ist auch die Chance, dass wir nicht mit den unangenehmsten Entsprechungen eines astrologischen Themas konfrontiert werden. Vor allem aber gelingt uns dann eine andere Betrachtungsweise dessen was geschieht, was tiefgreifende Veränderungen für unser Leben nach sich ziehen kann.

"Geprägte Form, die lebend sich entwickelt" - die "Orphischen Urworte" von Goethe werden in diesem Zusammenhang gerne und oft zitiert, auch in Ihrem Buch. Seit Goethe ist aber viel passiert, ich denke etwa an die Erkenntnisse über unsere genetischen Voraussetzungen oder über Umwelteinflüsse. Wie verträgt sich das mit der Astrologie?

Das ist ein wichtiger Punkt. Die Medizin bestätigt immer mehr, dass uns genetische Anlagen stark determinieren. Trotzdem kommt es darauf an, welche äußeren Einflüsse auf diese Anlagen einwirken: Wir können gebremst oder gefördert werden. Schon die Tatsache, dass wir entweder als Frau oder als Mann zur Welt kommen, bedeutet eine starke Determiniertheit. Determinismus besteht in den Rahmenbedingungen, unter denen wir im Leben antreten. Unsere Freiheit besteht darin, was wir mit diesen Rahmenbedingungen machen und wie wir sie ausschöpfen. Wenn Sie Schach spielen, haben Sie ein fertiges Brett mit einer klar definierten Anzahl von Spielfiguren, deren Möglichkeiten, sich zu bewegen, vorgegeben sind. Wie Sie Ihr Spiel spielen, bleibt aber Ihnen überlassen. Um zu sehen, was einen Menschen ausmacht, muss man die genetische Anlage, die Umwelteinflüsse, aber auch seinen kreativen Funken wahrnehmen ...

... Und herausspüren, wohin das Ganze führen soll. - Sie haben letztes Jahr am Astrologie-Weltkongress einen Vortrag über das 10. Haus gehalten.2 Was ist Ihnen an diesem Thema wichtig?

Aus der Tatsache, dass wir alle nach einem bestimmten Lebensmuster funktionieren, ergibt sich zwingend, dass jeder sich in eine bestimmte Richtung bewegt. Wenn wir nicht von einem mechanischen Universum ausgehen wollen, müssen darin ein Sinn und ein Ziel liegen. Das Horoskop kann hier als "roter Faden" dienen, damit wir nicht orientierungslos in allen Richtungen suchen müssen …

Also eine Art Orientierung sein?

Ja. Wenn - um ein einfaches Beispiel zu nennen - das Lebensmuster eines Menschen bislang von großen Gefühlen in beide Richtungen - himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt - beherrscht wurde, sein MC aber von beherrschteren Gefühlen spricht, dann weiß der Astrologe, dass dieser Mensch seine Gefühle ein bisschen zügeln muss, um Erfolg zu haben.

Das läuft auf eine Art Berufsberatung hinaus.

Ja, es schließt das mit ein. Aber ich mache keine reine Berufsberatung, ich sage niemandem, welchen Beruf er ergreifen soll. Als Astrologen können wir nur Eigenschaften finden, die in eine bestimmte Berufsrichtung weisen, aber da gibt es immer mehr als nur eine Richtung.

Man kann also nicht sagen: Sie sollten Astronaut werden?

Hamann (lacht): Nein, das geht nicht und realistisch muss es ja auch sein. Aber eine Eignungsrichtung und Neigungen lassen sich sehr gut ablesen.

Der Weg zur Astrologie

Wie sind Sie denn zu Ihrem Beruf als Astrologin gekommen?

Wahrscheinlich wie die Mutter zum Kind (lacht).

Und das heißt?

Ich habe zuerst sehr viele andere Dinge gemacht, ich habe mich mit verschiedenen psychologischen Richtungen auseinander gesetzt, habe Yoga praktiziert, mich mit Buddhismus beschäftigt, viele Reisen ins Ausland unternommen. Die Astrologie lag mir eigentlich zunächst ziemlich fern. Dann aber kam ich in eine Lebenssituation, in der mir jemand den Rat gab, ich solle doch einmal einen Astrologen aufsuchen. Was dabei herauskam, war aber eher ein Beispiel dafür, wie Astrologie nicht sein sollte: Ich bekam zwei Seiten, auf denen geschrieben stand, was ich vom damaligen Alter bis zum Tod noch alles erleben werde, wann und wie ich sterben würde und dass ich einen Gemischtwarenladen eröffnen solle - lauter solche Dinge (lacht).

Das hat Sie erheitert?

Das hat mich erbost, so dass ich gedacht habe, ich möchte gerne selbst wissen, was ich von der Sache halten soll . Ich habe dann angefangen, astrologische Literatur zu lesen und festgestellt, dass es sich doch lohnen könnte, weiter nachzuforschen. Schließlich hat mich die Astrologie nicht mehr losgelassen. - Meine Beschäftigung mit der Astrologie war also eigentlich eher ein Zufallsprodukt.

Hatten Sie einen Lehrer?

Als ich versuchte, die Astrologie mittels Büchern zu erlernen, habe ich bald festgestellt, dass dies ziemlich schwierig ist, weil jeder Autor seine Sichtweise darstellt und sich deshalb oft Widersprüche ergeben. Ich habe deshalb auch Seminare besucht, bei Nicolaus Klein, Liz Greene und anderen, und irgendwann bin ich auch zu Michael Roscher gekommen. Seine Methode hat mich von der ersten Minute an fasziniert und dann bin ich dabei geblieben.

Sie meinen Ihre gemeinsame Schule?

Ja. Michael Roscher leitete die Schule für Transpersonale Astrologie, und ich bin dann in diese Schule eingestiegen, habe angefangen, Seminare zu geben, und mittlerweile leiten wir die Schule zusammen (Stand 1996).

Deutung des Horoskops und Geburtszeitkorrektur

Wie gehen Sie an die Deutung eines Horoskops heran? Auf was schauen Sie zuerst?

Grundsätzlich hängt das vom Klienten ab. Aber wenn jemand ohne bestimmte Fragen zu mir kommt und einfach will, dass ich ihm ganz allgemein etwas über sein Horoskop erzähle, dann beginne ich meist mit den Mond-Themen, wobei das kein festgeschriebenes Gesetz ist, weil ich mir immer zuerst das gesamte Horoskop anschaue und darin die prägnanten Themen heraussuche: das kann das vierte Haus sein oder aber das Partnerschaftsthema oder etwas anderes. - Wenn also vom Klienten nichts vorgegeben ist, suche ich mir einfach jenes Thema heraus, das mir im Horoskop am prägnantesten erscheint.

Und wie wissen Sie, dass Sie das richtige Horoskop haben?

Vor jeder Besprechung mache ich eine Geburtszeitüberprüfung und eventuelle Korrektur. Danach kann ich anhand des Alters des Betreffenden feststellen, welche Phase er im Augenblick durchmacht. Und auch hier ist natürlich eine Einstiegsmöglichkeit ins Gespräch gegeben, wenn ich beispielsweise sehe, dass im Moment gerade Partnerschaft das Thema ist, dann kann man damit beginnen.

Nach welcher Methode machen Sie die Geburtszeitkorrektur?

Die mache ich mit den sogenannten "Kritischen Graden", die Michael Roscher entdeckt und entwickelt hat. Das ist eine Methode, die zumindest rechnerisch relativ einfach ist, inhaltlich muss man sie schon ausführlich üben und ein Verständnis für die einzelnen Grade und ihre Beziehung zum Horoskop entwickeln. Aber es ist eine Methode, mit der man ziemlich schnell zu sehr guten Ergebnissen kommt. Das ist z. B. bei einem Aszendenten auf einem Zeichenübergang sehr wichtig, aber natürlich auch für alle Prognosen. Alle Methoden, die wir anwenden, gehen davon aus, dass die Häuser korrekt sind. Gerade bei Prognosemethoden ist es sehr wichtig, dass man den exakten Grad der Hausspitzen kennt, aber auch bei Planeten, die in der Nähe einer Hausspitze stehen, ist es notwendig, ein exaktes und korrektes Häusersystem zu haben, um festzustellen, in welches Haus ein solcher Planet fällt.

Und welchen Orbis verwenden Sie?

Der Orbis wird für jedes Haus einzeln berechnet - er lässt sich jeweils aus der Größe des Hauses ableiten. Die Hausgröße wird durch sechs geteilt: Im Schnitt ergibt sich dann ein Orbis von vier bis fünf Grad.

Aktuelle Fragen

Wie unterscheiden Sie die persönlichen von den gesellschaftlichen und den transsaturnischen Planeten? Es gibt ja heute eine Tendenz, die Interpretation sehr auf die transsaturnischen Planeten zu konzentrieren.

Je schneller sich ein Planet bewegt, desto individueller ist seine Aussage. Ich würde z. B. nie ein Saturn/Pluto-Quadrat individuell interpretieren, es sei denn, es hätte einen Bezug zu einem persönlichen Planeten oder zu einer Hausspitze, also zu individuellen Punkten. Ein Saturn/Pluto-Thema ist ein Generationenthema und sagt an sich über das einzelne Individuum nichts Spezifisches aus, sondern beschreibt nur die soziokulturelle Phase, in der dieser Mensch geboren wird.

Interessiert Sie der vielbeschworene Übergang ins "Wassermannzeitalter"?

Das kommt auf die Blickrichtung an. In einer Beratung ist das Wassermannzeitalter nicht unbedingt ein Thema. Als Beschreibung einer Epoche interessiert es mich natürlich. Bei der psychologischen Arbeit mit einem Klienten, die ich als den Schwerpunkt meiner Arbeit betrachte, geht es aber um ganz konkrete Ereignisse in dessen Leben, in denen sich sein Lebensmuster und sein Entwicklungsthema spiegelt. Am deutlichsten wird das bei den Partnerschaftsthemen.

Wobei sich die partnerschaftliche Situation ja in den letzten Jahren und Jahrzehnten sehr verändert hat - und sich weiter verändert. Wie berücksichtigen Sie das?

Jedes Erleben, so auch das partnerschaftliche, muss auch unter den Bedingungen interpretiert werden, die aktuell herrschen. Wenn Beziehungen andere Grundlagen haben und die klassische Ehe von früher, in der die Rollen ganz klar aufgeteilt waren, nur noch eine Partnerschaftsform darstellt, dann wird sich das in anderen Formen des Miteinander-Umgehens auswirken und die astrologischen Konstellationen sind in diesem veränderten Kontext zu sehen.

Können Sie ein Beispiel geben?

Wenn eine Frau sich heutzutage übergangen fühlt, dann bedeutet das etwas anderes als früher, wo es ohnehin klar war, dass der Mann hinaus ging und draußen in der Welt sein Geld verdiente, während die Frau zu Hause am Herd zu bleiben hatte. Für eine Frau von heute ergeben sich ganz andere Sichtweisen dessen, warum sie übergangen wird und auch andere Lösungsmöglichkeiten. Wir müssen in die Interpretation immer miteinbeziehen, welcher "Zeitgeist" die aktuelle Situation bestimmt. Er verändert sich ständig, während die Themen die gleichen bleiben - Liebe oder Nicht-Liebe, Erfolg oder Nicht-Erfolg -, aber sie befinden sich immer wieder in einem anderen Kontext.

Frau Hamann, ich möchte mich für dieses Gespräch herzlich bedanken.


Ende


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